Trafo Umfall bei der SZ in Zidane Most

Das Forenteam wünscht euch Allen ein gesundes und gartenbahnreiches Jahr 2023!!

Das erste Forumstreffen findet vom 13. bis 14. Mai 2023 bei den Dampflokfreunden Karlsruhe e.V. statt. Weitere Infos und den Link für die Anmeldung findet ihr unter "Forumstreffen 2023" im Forum für "Neuigkeiten und allgemeine Informationen"
  • Am 07.01 ereignete sich im Bf Zidane Most (Steinbrück) ein Eisenbahnunfall. Der Bahnhof liegt am linken Ufer der Save, von links mündet hier die Savinja in die Save. Dieser Nebenfluss wird vom Bahnhof kommend mit zwei divergierenden Eisenbahnbrücken überspannt. Zusammen mit dem Gleis am anderen Ufer ergibt sich hier ein Gleisdreieck. Durch den Bahnhof fuhr ein Güterzug mit einer Lademaßüberschreitung (Transformator, ca. 300 Tonnen). Der Zug befuhr das ufernahe rechte Außengleis und wollte über die linke Brücke den Bahnhof verlassen. Bei der Kurvenfahrt streifte vermutlich der Schwertransportwaggon die Bahnsteigkante und kippte nach rechts um. Glücklicherweise gab es hier eine Art Balkon und auf diesem liegt nun der Wagen mit dem Transformator.


    Hier ein Übersichtsbild der Unfallstelle

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    Ich habe unseren slowenischen Forumskollegen Jurji Kozar gefragt, ob es denn schon neue Bilder oder Erkenntnisse gibt und er hat mir die nachstehenden Bilder zugesandt. Links unten in der Save liegt die hintere Steuerungskabine. Sie war mit einem Mitarbeiter besetzt, der bei dem Absturz schwer verletzt wurde. Wir wünschen ihm eine baldige Genesung.


    Inzwischen wurde um die Kabine eine Ölsperre gelegt


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    Dies sind vermutlich die hinteren Drehgestelle des vorderen Wagenteils, die vorderen zwei mit der Pufferbohle wurden schon weggefahren


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    Längsblick durch den Bahnhof


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    Hier sieht man auf drei Drehgestelle der hinteren Gruppe. Das letzte Drehgestell mit der Pufferbohle folgt noch


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    Den deutschen Aufschriften nach zu urteilen, handelt es sich bei dem Schwerlastwagen um ein deutsches Fahrzeug


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    Wäre der Wagen eine Wagenlänge später umgestürzt, läge er wahrscheinlich samt Trafo in der Save


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    Leute, die gerne so einen Spezialwagon nachbauen wollen, können hier sehr gut die Unterkonstruktion studieren. Man erkennt hier sehr gut die halbkugligen Drehzapfen, von denen jeder in einem anderen Drehgestell steckt.


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    Rechts auf dem Bahnsteig steht ein D-Kuppler als Museumsexponat


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    Drehzapfen Nahaufnahme


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    Wegen der Nachbargleise wird es nicht ganz einfach sein, das Fahrzeug aufzurichten und zu bergen. Wahrscheinlich wird es vor Ort zerlegt und abtransportiert.


    Gruß Wolfgang

  • Hallo,

    Danke Wolfgang für die Bilder. Der Farbe nach stammt der Transportwaggon evtl. von der Firma Felbermayr aus Österreich...


    GuckstDuhier:

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    Gruß


    Viehdokter

    "Viehdokter"
    Dr.Michael Dörnfeld


    Mitglied bei den Emder Modelldampf-Freunden mit der Minibahn am Hauptbahnhof


    und beim Mini-Truckclub Osthessen (die mit dem Containerkran in Friedrichshafen !)

  • Hallo in die Runde,


    ja, der Transport wurde von der für Schwertransporte auf der Schiene zuständigen Felbermayr-Niederlassung in Prag durchgeführt, der schwer verletzte Mann, der mit der Kabine in den Fluss gefallen ist, ist ein Tscheche.


    Gruß

    Kristian

  • Hallo Wolfgang,

    danke für den interessanten Beitrag. Das weckt Erinnerungen. Im Sommer 93 hatte ich in Wuppertal-Vohwinkel mit dem Düsseldorfer Gerätewagen einen nahezu identischen Fall zu bergen. Auch im Neben-Bahnsteiggleis an der Ausfahrkurve am Bahnhofsvorplatz. Die Gleise sind dort hochgelegt und das ganze passierte unmittelbar vor einer Strassenbrücke. Da noch Platz für ein weiteres Gleis vorhanden war, ist dort auch nichts abgestürzt. 15m weiter auf der Brücke hätte das anders ausgesehen.

    Umsturzursache war menschliches Versagen. Einmal der Fahrdienstleiter. Denn die Fahrplananordnung sah einen Fahrweg gerade durch das Hauptgleis vor und nicht über das Nebengleis. Weiterhin die Mannschaft des Schwerlastwagens. Die Tragschnabelanlenkung auf der Hauptverteilertraverse lässt sich hydraulisch anheben und seitlich verfahren. Für jeden Transport wird an Hand des Schwerpunktes der Last und eventueller Kurvenüberhöhungen bzw. Zwangspunkte an Gleis genau ausgerechnet wann, wo und wieviel seitlich verschoben werden muss. Deshalb sind die Wagen während der Fahrt besetzt. Da es für die "Falschfahrt" am Bahnsteig entlang keine Vorgaben gab, hat die Mannschaft aus Erfahrung gehandelt um am Bahnsteig entlang zu kommen. Das ging damals in die Hose. Hinzu kam, das durch den zu weiten seitlichen Verschub am vierten Drehgestell zwei Achsfedern durch Überlastung gebrochen sind. Die haben den Umsturz dann noch begünstigt.

    Ich bin mir sicher, das im vorliegenden Fall die gleichen Ursachen zum Unfall geführt haben.

    Das ganze sieht auf den Fotos deutlich spektakulärer aus, als es wirklich ist. Da die Fahrleitung stark beschädigt ist, ist deren Rückbau nur Formsache und macht den Weg für den Einsatz eines 160 t Eisenbahndrehkrans im Unfallgleis frei. Wenns schnell gehen soll, dann mit zwei Kränen von beiden Seiten. Im Schnelldurchlauf: Zuerst werden die Drehgestelle ausgehoben und verladen. Dann werden die Verteiltraversen umgelegt und verladen. Da die Teile nicht sehr schwer sind, kann der EDK unter Last an einen Ort fahren, wo er drehen kann. Am Bahnsteig geht das ja nicht. Was liegen bleibt ist dann der Trafo mit Lastbrücke und Tragschnäbeln. Das ganze ist selbst für zwei Kräne zu schwer. Der Trafo wird unterbaut und mit mehrere Luftkissen so um 30° aufgerichtet. Dann geht es mit Langhubzylindern weiter bis er selbst kontrolliert in die Senkrechte kippt. Dann Tragschnäbel und Lastbrücke zerlegen und verladen. Die Lastbrücke wird verzogen und damit Schrott sein. Bei den Tragschnäbeln muß man sehen. Der Rest ist reparabel. Übrig bleibt der Trafo solo, der irgendwie im Gleis steht. Da die Kräne nun unmittelbar an den Trafo heranfahren können und ihre volle Tragkraft zur Anwendung kommt, besteht die Chance, dass er sich gerade so anheben lässt. Definiert im Gleis ausrichten und auf passender Höhe unterbauen. Eine neue Lastbrücke anlegen, dann wäre der Trafo transportbereit. Ein anderer Schwerlastwagen dockt mit den Tragschnäbeln an der Lastbrücke an. Anheben, den Unterbau abräumen, das wärs dann.

    In Wuppertal-Vohwinkel waren damals der Dortmunder und der Leipziger EDK im Einsatz und der Düsseldorfer + Hagener Gerätewagen. Zusammen etwa 35 Mann. Nach vier Wochen war die Fahrleitung repariert und das Gleis wieder befahrbar. Heute würden dafür vermutlich 100 Mann eingesetzt, die sich gegenseitig im Weg stehen. Spannend wäre zu erfahren, wie lange für das Abräumen gebraucht wird.

    Ich hoffe diesen technisch spannenden Sachverhalt mit meinen Erfahrungen aus einer langjährigen Tätigkeit als Aufgleisleiter etwas illustriert zu haben.


    Viele Grüße Jan

  • Hallo Jan,

    was Du schilderst deckt sich mit meinen Vermutungen. Auch ich kann mir nicht erklären, warum man solch eine Fuhre über einen so blöden Fahrweg schickt. Deine Schilderung bestätigt, was ich auch denke, nämlich dass beim Verschieben der Tieflader aus dem Gleichgewicht gekommen ist und deswegen umstürzte.


    Gruß

    Joschi

    Mit "eigentlich" fängt eine Lüge an!

  • Hallo Leute,

    Michael, der Viehdoktor, hatte recht. Der Schwertransportwagen gehört der österreichischen Firma Felbermayr. Aus diesem Grund hat die Firma jetzt zwei eigene Autokräne zur Bergung des Trafos nach Zidani Most geschickt. Die Oberleitung wurde in diesem Bereich herunter genommen. Züge, die diesen Bahnhof passieren müssen, werden per Diesellok durch diesen stromlosen Abschnitt gezogen.


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    Gruß Wolfgang

  • Leute,


    im slowenischen Fernsehen ist ein kurzes Video aufgetaucht, daß den Beginn der Bergung mittels der zwei Autokräne zeigt.


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    Gruß Wolfgang

  • Hallo,


    viel verstanden vom Video habe ich nicht, aber wenigstens das: Schaden an der Infrastruktur 250 Tsd. Euro, zum Trafo wurden 5 Mio. genannt.


    Kristian


    PS: Erst später habe ich den Text unterhalb des Videos entdeckt :)

  • Hallo Leute,


    soviel wie ich verstanden habe, soll am kommenden Wochenende ein 1000 Tonnen Kran auf Raupenfahrwerk kommen. Vielleicht ist es der gleiche Kran, der damals den Triebwagen aus der Mur gehoben hat. Er wird mit 25 Schwertransport-Lkw angeliefert und hier zusammengebaut. Felbermayr demonstriert hier sein gesamtes Leistungspotential.


    Gruß Wolfgang

  • Hallo,

    absolut großes Kino. Danke für die super Fotostrecke. Der Aufwand ist schon gigantisch. Aber die Jungs wissen was sie dort tun. Respekt. Nur ist die Sache noch lange nicht zu Ende. Der Trafo kann ja am Bahnsteig nicht stehen bleiben. Bin mal gespannt.

    Gruß Jan

  • "Viehdokter"
    Dr.Michael Dörnfeld


    Mitglied bei den Emder Modelldampf-Freunden mit der Minibahn am Hauptbahnhof


    und beim Mini-Truckclub Osthessen (die mit dem Containerkran in Friedrichshafen !)