Nichts hält ewig

  • Guten Morgen in die Runde,

    bisher habe ich die Diskussion um den Sand als small talk um des Kaisers Bart am Lügentisch der Lokführer angesehen. Nun wächst sich das Ganze für mich aber anscheinend doch zu einer ernsthaften Diskussion aus und da muss man dann wohl doch mal etwas genauer auf die Sache schauen.

    Worum geht es denn bei der ganzen Sand-Geschichte? Es geht um die Erhöhung des Reibwertes zwischen Rad und Schiene. Und warum ist das erforderlich? Weil es Situationen gibt, bei denen der Reibwert zwischen Rad und Schiene unter den als Mittelwert angenommenen Wert absinkt. Solche Situationen können beispielsweise sein:

    - beginnender Regen nach längerer Trockenheit

    - Schnee und Eis

    - Industriestaub auf den Gleisen

    - Laubfall im Zusammenhang mit feuchter Witterung

    Welche Gefahr entsteht nun aus dieser Situation? ateshci hat sie in seinem letzten Post sehr bildlich beschrieben und ich möchte sie deswegen noch einmal zitieren:

    Mich hat es mehrere Male auf der Rampe, die ich vorher gefühlt problemlos hochgekommen war, auf der Talfahrt runtergedrückt. Da half kein Runterrregeln oder 'Gegendampf', die Fuhre wurde immer schneller und rutschte durch die Kurve am Anfang der Rampe, ...

    Wie man sieht, besteht die Gefahr darin, dass sich der Bremsweg verlängert und der Lokführer so ggf. nicht mehr vor Halt gebietenden Signalen anhalten kann. Deswegen gibt es im Regelwerk der DB dazu auch zwei grundsätzliche Regeln. Regel Nr. 1 verpflichtet den Lokführer zur Nutzung von Sand, wenn zu befürchten ist, dass diue Räder bei einer Bremsung gleiten. Regel Nr. 2 verpflichtet den Lokführer in einer Notsituation dazu, eine Schnellbremsung auszuführen und zu sanden. Letzter Regel wäre also in Heizers Situatiuon anzuwenden.

    Absatz, aus gutem Grund!

    Wie ihr sicherlich bemerkt habt, habe ich im bisherigen Text vom Bremsen gesprochen. Und das ist auch das Theme, bei dem bei der DB über Sand gesprochen wird. Nun macht aber der schlechte Reibwert zwischen Rad und Schiene auch beim Beschleunigen bzw. Fahren Probleme. Der Unterschied zwischen beiden Situationen ist aber der, dass, wenn ein Zug nich anfahren oder weiterfahren kann, daraus in der Regel keine gefährliche Situationb entsteht. Da gibt es höchstens Betriebserschwernisse, weil eine zusätzliche Lok bereitgestellt werden muss.

    Betrachtet man die Situation aus betriebswirtschaftlicher Sicht, dann wird klar, warum immer auch mal Sand zum Anfahren und Fahren in Steigungen benutzt wird. Eine andere Lösung wäre betriebswirtschaftlich einfach zu teuer und würde den Profit schmälern. Da wird der höhere Verschleiß billigend in Kauf genommen, weil das zum einen eine andere Kostenstelle ist und zum anderen erst in der Bilanz auftaucht, wenn die Ursache längst in Vergessenheit geraten ist.

    Weimibahn stellt da ja die Frage:

    Aber warum wird z.B. grundsätzlich bei Torfbahnen Gesandet.

    Für mich liegt die Antwort auf der Hand: Weil man sonst die Züge kürzer machen und öfter fahren müsste. Die eingesetzten Loks sind aber potentiell in der Lage, längere Züge zu ziehen, bekommen lediglich bei den Reibungserhältnissen zwischen Rad und Schiene die Kraft nicht umgesetzt. Es geht also wieder ums Geld.

    Soviel mal als ernsthafter Beitrag zu dem Thema.

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende und bleibt vor allem gesund!

    Joschi

    Mit "eigentlich" fängt eine Lüge an!

  • Weimibahn

    jetzt darfst Du also rechnen, ob der Verschleiß an den Polyamidrädern weniger Kosten als der beim Gebrauch von Quarzsand auf deiner Anlage verursacht. :)

    Gruß vom Heizer

  • So als kleiner Nachtrag mal noch ein paar bewegte Bilder unserer Baustelle beim Michael.

    Viel Spaß dabei

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    Gruß Christian

    Christian

  • Schööön!!!

    Sich noch mal daran zurück zu erinnern, wieviel fleißige Hände dabei wahren.

    Und vor allem welche Leistung die „Jungs“ erbracht haben ?.

    Die Idee mit den Filmchen ist eine tolle Möglichkeit den Ablauf zu präsentieren,

    um nicht Anwesende mit teilhaben zu lassen.

    Danke an Christian, auf die Idee wäre ich nicht gekommen!

    Ich denke man sollte dies öfters machen ?.

    Gruß Michael

  • Das habe ich mit dem Väterchen vorhin auch so besprochen. Habe mich schon geärgert das ich in Droyßig nicht die Kamera mit laufen lassen habe. Beim nächsten mal läuft sie wieder mit.

    Christian

    Christian