Druckluftanlage: Was ist es denn nun?

  • Hallo zusammen,

    kann mir jemand sagen, was genau das Teil auf den Bildern ist? Ist das nur ein Luftberuhiger(wurde mir so gesagt) oder ist das sogar ein Wasser- und/oder Ölabscheider? Es ist in der Druckluftanlage einer alten Straßenbahn hinter dem Luftpresser (Knorr VV64/100-3) verbaut. Aus dem Ablasshahn tropft eine Kaffee Crema farbene Emulsion. Hat zufällig jemand davon eine Schnittzeichnung zur Hand?


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    Dampfende Grüße
    Oliver
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  • Oliver 24. Oktober 2023 um 01:51

    Hat den Titel des Themas von „Frage zu einer“ zu „Druckluftanlage: Was ist es denn nun?“ geändert.
  • Ja, es ist Kondensatabscheider.

    Die "Kaffee Creme" ist ein Öl/Gemisch.

    Habe leider keine Schnittzeichnung.

    Es arbeitet unter dem Prinzip als Zentrifugalabscheider.

    Zum beruhigen, da würde man einen größeren Vorratsluftbehälter verwenden. z.B. Münchner M4.65, Der hat nach dem Kompressor zwei Luftkessel (100l+50l) die unter 8,5 - 10Bar. Nachgeschaltet ist ein Druckminderventiel auf 5 bar (für das gesamte folgende System).

    Die M-Wagen Entwässerung an zwei Ventielen automatisch. Einmal an den Vorratsbehältern (8,5-10Bar), einmal am Vorratsluftbehälter unter der Vorderen Plattform (5bar).

    Einmal editiert, zuletzt von Trambahner (24. Oktober 2023 um 07:59)

  • Hallo zusammen,

    vielen Dank schon mal für die Antworten. Muss man so einen Abscheider hin und wieder warten? Z. B. zerlegen, reinigen, Filter auswaschen? Gibt es dazu noch mehr Infos?

    Die Schnittzeichnung ist schon sehr aufschlussreich. Einziger Unterschied zu unserem ist die Position des Abströmanschlußes, der ist bei uns am oberen Gehäuseteil seitlich, nicht oben drauf.

    Dampfende Grüße
    Oliver
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  • Der Ölabscheider ist wohl vermutlich aus den 60er Jahren. Durch die starke Umlenkung der Luft wird das Wasser Öl Gemisch ausgeschieden. Der restliche Wassernebel soll vom Filter zurückgehalten werden.

    Zur Wartung stand nur drin: täglich entwässern und Reinigen ja nach Art des Schmiermittels.

  • Moin Oliver,

    diese aus alten Tagen stammende Einrichtung macht heute durchaus Probleme und wird bei Neubaufahrzeugen durch trickreiche andere Einrichtungen ersetzt. Wie schon angedeutet hat sie die Aufgabe, der frisch gewonnenen Druckluft flüssige Bestandteile zu entziehen. Das vor allem deswegen, dass die nachfolgenden Teile der Druckluftanlage mit sauberer Luft versorgt werden und nicht innerlich korrodieren.

    Welche Flüssigkeiten sammeln sich da? Zum einen natürlich die Luftfeuchtigkeit in Form von Kondesnwasser, welches durch die Abkühlung der beim verdichten erwärmten Luft entsteht.

    Zum anderen aber sammelt sich dort auch die Reste des Ölnebels, der im Kolbenverdichter zwangsweise schon dadurch entsteht, dass auch der Kolben geschmiert werden muss. Und genau da fangen die Probleme an. In alten Tagen wurden die Entwässerungshähne bei jedem Rundgang um die Lok, denn auch bei der Eisenbahn wurde das so gebaut, einfach mal geöffnet. Da wurde der ganze Kram mit den Resten der Druckluft im Behälter ausgeblasen und gut ist. Heute gibt es die grünen und die Sterben jedes mal zu Hunderten, wenn der Lokführer auch nur daran denkt, dass Luft/Wasser-Gemisch in die Umwelt zu blasen. Folglich muss das heute beim Öffnen des Hahnes in eine kleine Kanne aufgefangen werden und einer sachgerechten Entsorgung zugeführt werden. Dazu gibt es auf den Loks separate Sammelbehälter, die dann beim nächsten Werkstattaufenthalt entsorgt werden müssen.

    Um das ganze Theater zu vermeiden, gibt es heute Lufttrocknungsanlagen, die recht aufwendig das Kondensat "verwerten". Zudem werden heute Schraubenverdichter oder öllose Kolbenverdichter verwendet, einfach um den Öl-Bestandteil aus der Luft herauszubekommen.

    Gruß

    Joschi

    Mit "eigentlich" fängt eine Lüge an!

  • Das entfeuchten der Druckluft ist nur wegen der Korrosionsgefahr wichtig. Gerade im Winter ist auch die Einfriergefahr in großen Problem.

    In München Straßenbahn hatten dagegen bei älterne Wagen Zersteuberbecher, die im Winter mit Frostschutz/Alkohol gefüllt waren.

    Dadurch wurde die Einfriergefahr verringert. Die Fahrzeuge hatten aber ursprünglich Achskompressoren und nur Direktebremsen bis in die 50er Jahre.

  • Hallo zusammen,

    zeitlich passt das, das Fahrzeug, wo der Abscheider eingebaut ist, ist Baujahr 1957. Vielleicht muss ich das Teil wirklich mal zerlegen und reinigen, denn Wasser scheidet es nicht zuverlässig ab. Ich kann an den Kesseln und Leitungen entwässern so viel ich möchte, da kommt immer Wasser raus. ich musste auch schon ein Läutewerk zerlegen und wieder gangbar machen, weil es durch das Wasser und seltenen musealen Einsatz festgegammelt war. Unsere Aktuellen Fahrzeuge haben Lufttrockner hinter dem Luftpresser, diese verwerten das Kondensat beim umschalten der Trocknerpatronen mit einem kräftigen Luftstoß ins Gleisbett.

    Ölfreie Kolbenverdichter haben wir inzwischen auch. Durch den Ölmangel schaffen die Kolben und Zylinder es aber nichtmal bis zum ersten Wartungsintervall. Wirklich eine tolle Erfindung. Ein Kollege aus der Pneumologie hat mal zu den Ingenieuren von Knorr scherzhaft gesagt, er hat mal probeweise Öl eingefüllt, seit dem läuft der Kompressor gut. :D

    Dampfende Grüße
    Oliver
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  • Es ist normal, daß ein Teil des Kondensat, in den Behältern landet und da sich erst niederschlägt.

    Wenn Mechanik länger nicht bewegt wird. Dann neig es mal dazu, zu verharzen/ sulzen/ verdrücken.

    Im Regelbetrieb würde es regelmäßig bedient oder späterstens bei der Hauptuntersuchung gepüft/ überarbeitet.

  • denn Wasser scheidet es nicht zuverlässig ab. Ich kann an den Kesseln und Leitungen entwässern so viel ich möchte, da kommt immer Wasser raus.

    Hi Oliver,

    Du kannst nicht erwarten, dass sämtliches Wasser und alle Feuchtigkeit sich im Tropfbecher sammelt. Das ist illosorisch. Allerdings sammelt sich im Tropfbecher etwa die 10fache Menge wie in anderen Kesseln. Bei uns gehörte zu den Abschlussarbeiten an der Lok immer das "Entwässern" der gesamten Druckluftanlage. Da gab es an allen Kesseln entsprechende Hähne und auch an den Luftleitungen waren an den neuralgischen Punkten zusätzliche Entwässerungshähne angebracht. Wenn der Vorgänger seine Arbeit ordentlich gemacht hat, dann kamen da nach etwa 10 Einsatzstunden bei normalem Wetter schon mal 3 bis 6 Liter Kondensat zusammen. Ich habe aber auch schon erlebt, dass ich bei einer "Entwässerungsrunde" 12 bis 15 Liter Kondensat abgelassen habe. Die Arbeit war halt nicht so beliebt. ;)

    Gruß

    Joschi

    Mit "eigentlich" fängt eine Lüge an!

  • Eine kleine Bemerkung dazu: Der Frostgefahr, welche die Funktion pneumatischer Teile beeinträchtigen kann, begegnet man einfach durch Tränken des Ansaugluftfilters mit Glysantin. Die beim Ansaugen mitgerissenen Glysantinteilchen verbinden sich dann mit den kondensierenden Wasserteilchen und verhindern somit Froststörungen/-schäden und mindern auch die Schmierfähigkeit nicht. Im übrigen befinden sich aus Sicherheitsgründen einzig am Hilfsluftbehälter keine Entwässerungshahnen. Dieser wird bei den entsprechenden Wartungsarbeiten in der Werkstatt mittels meines Stopfens entwässert. Mal einfach gesagt. Gruß Fritzle.

    Einmal editiert, zuletzt von Fritzle (27. Oktober 2023 um 13:57)