Güterwagen Spur 5 in alternativer Bautechnik

  • Hallo Werner,

    dass das Ändern eines Teiles oft einen Rattenschwanz von weiteren Änderungen nach sich zieht, das ist vollkommen normal. Den Bremsbelag kannst du, egal ob mit 1 oder 2 Hängern, sowieso nicht aus einem Teil herstellen. Die Bremssohle bracht ja die 3° Neigung der Radlauffläche. Entweder du schleifst den Belag ein, dann muss das Bremsbelagmaterial weicher sein als das Rad oder die Aufhängung des Belags hat so viel Luft dass sich der Belag schräg stellen kann, dann ist die einfache Aufhängung günstiger. Zwingend ist immer dass das Bremsbelagmaterial weicher ist als das Rad. Wir kleben oft KFZ Bremstrommelbeläge, gibt es als Meterware, auf die Bremsbeläge.

    Volker

  • Wir kleben oft KFZ Bremstrommelbeläge, gibt es als Meterware, auf die Bremsbeläge.

    Hallo Volker,

    das ist interessant.

    Die Schräge von 3° zur Anpassung an das Rad hatte ich bei Knupfer gelesen, bisher aber nicht so wichtig genommen. Das werde ich aber ins Auge fassen.

    Kleben ist nicht so meins - mit Klebverbindungen stehe ich auf Kriegsfuß. Die spätere Anfertigung der Bremsbacken hatte ich eigentlich durchaus aus einem Stück geplant. Anders als beim Vorbild ist der Austausch der kompletten Bremsbacken wenn sie abgenutzt sind ja auch kein Kostenfaktor.
    Den schlechten Reibbeiwert der aus Kunststoff gedruckten Teile hatte ich schon erwartet. Grauguss habe ich gelesen aber das ist für mich zu schlecht zu bearbeiten. Auflagen aus Bremsbelägen wären vermutlich optimal, bedingen aber mindestens zweiteilige Bremsklötze. Ich habe eigentlich angenommen, dass Aluminium oder Messing eine gute Wahl wären und hatte sogar ernsthaft über Holz nachgedacht!

    Gibt es noch andere Erfahrungswerte für das Material der Beläge oder der Bremsklötze?

    Übrigens habe ich heute Morgen versucht die Teile der Bremsanlage zu ändern, damit das Bremsdreieck unten liegt, bin dabei aber an konstruktive Grenzen gestoßen. Entweder kommen ich dann mit dem Querverbinder mit der Achse in Konflikt (spätestens beim Einfedern) oder die Anlenkhebel mit dem Rahmen. Kürzere Anlenkhebel würden zwar passen aber dann verkehrt sich der angenommene Vorteil des tieferen Bremsdreicecks (die Übersetzung) komplett ind Gegenteil.

    Ich muss heute Abend mal schauen, wie ich deinen Hinweis umsetze.

    Viele Grüße
    Werner

  • Moin Werner!
    Hier, elektr. Servobremse mit Bremsbelägen für V20, hab ich meine Lokbremse für die V20 mit geklebten Bremsbelägen vorgestellt.
    Problem sind zur Verklebung geeignete Bremssohlen. Hab bei Kristian für 90mm Räder welche in Arbeit.
    In der Praxis ist die Bremswirkung bei ~1Kg Gesamtanpresskraft etwas mau, ungefähr wie die Handbremse beim Auto. Bei der relativ leichten Lok wollte ich die Bremse auch nicht zu kräftig machen um keine Flachstellen produzieren. Vergrößerung der Bremsleistung erwarte ich mit zusätzlich gebremsten Wagen.
    Gruß Gerd

    V20, pr. AT1, würt. Kittel DTW, (Ur-) galloping Goose

  • Hallo Werner,

    das Kleben der Beläge geht ganz einfach, Passgenau zuscneiden, auf beide Teile Aktivator pinseln, ablüften, dann eine Seite mit dem Kleber bestreichen und auf den Bremsschuh legen, Bremse anziehen, der Belag legt sich dabei korrekt an und trocknen lassen. Fertig.

    Alu, wirkt im schlimmsten Fall wie Polierpaste und setzt die kleinsten Riefen im Rad zu . Danach hast du die Bremswirkung von Alu auf Alu.
    Graugusbremsbeläge gibt es als Gußring zur Fertigbearbeitung z.B. bei Arelier Burkhardt..
    Fertige Bremsklotz, sofern lieferbar, bei MaLu (Art.Nr. 5-04-001), Version für 1 Hängeeisen.

    Volker

  • Hallo

    Um die Bremsklötze passend, auch mit der 3 Grad Abschrägung der Lauffläche bearbeiten zu können, benötigt man einen Ring- Rohling, der sich auf der Drehmaschine aufspannen und bearbeiten lässt.

    Der Martin Burkhard hat ihn für einen Durchmesser hier:

    Lokomotivteile

    im Angebot.

    Besser als Grauguss hat bei mir normaler Stahl funktioniert. Das lässt sich billig, passend für die vorhandenen Räder, zeichnen und im Laserzuschnitt herstellen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Thomas

  • Guten Abend,

    ich habe ein wenig nach geeigneten Materialpaarungen gesucht, die wenig Nachteile haben und dennoch gute Reibkoeffizienten aufweisen. Zudem sollten die Materialien gut verfügbar und möcglichst einfach zu verarbeiten sein.

    Laut Wikipedia hat Grauguss auf Stahl eine für die Bremsung relevante Gleitreibungszahl von 0,18 (trocken) Messing auf Stahl zumindest 0,2 (trocken).
    Erstaunlicherweise hat Leder auf Grauguss eine Gleitreibungszahl von 0,56 (trocken) und nass immer noch 0,36. Für die Paarung Leder mit Stahl habe ich bei Wikipedia keine Daten gefunden aber ich leite ab: Bronze auf Grauguss hat 0,20, Bronze auf Stahl 0,18. Ich denke für die Paarung Leder auf Stahl ist 0,50 (trocken beziehungsweise 0,30 (nass) eine realistische Annahme.

    Bei Nässe würden bremsbeläge aus Leder also sogar gängige Metallpaarungen übertreffen. Außerdem habe ich mich daran erinnert gelesen zu haben, dass bei Pferdekutschen und auch in der Frühzeit des Automobils die Beläge der Bremsen aus Leder waren. Warum also nicht ...

    ... ein Versuch macht kluch!

    Auf gedruckte Basis-Bremsklötze habe ich vorhin ungefettete Lederstreifen aufgeklebt.

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    Als Klebstoff habe ich dauerelastischen Cyan-Acrylat-Kleber aus dem Schustereibedarf verwendet. Damit schaffe sogar ich es, in Minutenschnelle eine stabile Klebung herzustellen.

    Erstaunt war ich, wie ansprechend das am Fahrzeug aussieht.

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    Nicht überrascht war ich dagegen, dass die Bremswirkung gegenüber den Kunststoffbelägen um Klassen besser war. Obwohl ich erst einmal nur zwei der 4 Bremsklötze an der Achse ausgetauscht habe, bringen sie bei - so zumindets der subjektive Eindruck - verhältnismäßig moderater Bremskraft die Achse zum blockieren. In wie weit sie gegen aufgeklebtes Bremsbelagmaterial oder anderen Materialien bestehen würden, lässt sich im Moment nicht beurteilen.

    Die Beläge werden ganz sicher nicht lange halten und sich sehr schnell abnutzen. Allerdings wird der Verschleiß der Radlaufflächen minimal sein, falls überhaupt eine signifikante Abnutzung messbar ist. Als Vorteil sehe ich, dass sich das Profil schnell an die schräge Lauffläche anpassen wird, auch ohne vorherige präzise Bearbeitung.

    Ich möchte die geschätzten Forenmitglieder nochmals darauf hinweisen, dass ich nahezu keine Praxiserfahrung in den Dingen habe, über die ich in diesem Beitrag schreibe. Bremsanlagen habe ich bisher in Spur 2m und 2 nur angedeutet, ohne dass sie aber eine Funktion hatten. Ich war und bin deshalb sehr erstaunt welcher Aufwand zu treiben ist, um in der Spurweite 5 Zoll eine tatsächlich funktionsfähige Bremse herzustellen. Und dabei habe ich noch nicht einmal eine pneumatische oder elektrische Ansteuerung berührt. Vielen Dank also für eure Beratung.

    Viele Grüße
    Werner

    Einmal editiert, zuletzt von Monnemer (3. September 2024 um 07:58)

  • Moinsen Werner,

    nur der Ordnung halber ... es gibt konische Fräser mit denen du die Bremsklötze ebenfalls

    konisch (mit einer Schräge) versehen könntest. Die Bremsklötze würden dann in einer

    Spannvorrichtung eingeklemmt.

    Viele im Freundeskreis nehmen Bremsklötze aus Grauguß. Der Grund besteht darin, dass

    sich diese Bremsklötze wie richtige Bremsklötze verhalten und sogar genau so quitschen können.

    Natürlich im Maßstab entsprechend und nur so kurz vor Stillstand ... hat aber was ...

    Bei meinen eigenen Wagen bremse ich mit Stahlklötzen auf Stahlrädern, funktioniert einwandfrei.

    Gutes Gelingen und Grüße vom Bucki

  • Hallo zusammen,

    teilweise habe ich noch Bremsklötze aus Stahl (WDEF), Eigenkreationen sind aus Messing (wegen der schlechteren Gleitreibungszahl).

    Die 3 Grad Schräge sind mit Fräsmaschine und Drehtisch schnell hergestellt: ich habe mir Blöcke mit 3 Grad Schräge als Auflage gefräst, darauf werden die Bremsklötze gespannt. Als Unterlage dient ein Blechstreifen 5 mm, im 4-Backenfutter auf dem Drehtisch gespannt:

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    Für den SSk Köln habe ich sie mir gießen lassen (Bedarf: 24 Stück).

    Viele Grüße, Winfried

    Ich fahre auf Spur 7 (Regelspur) oder auf Spur 5 mit der Feld- und Waldbahn

  • Hallo Werner,

    der Aufwand einer funktionfähigen Bremse ist in 2 oder 2m der gleiche wie in 5-Zoll, einzig die Bauteilabmessungen unterscheiden sich. Wenn erst einmal die Bremse an den Radscheiben vorhanden ist ist die Ansteuerung geradezu minimalistisch. Jedes Betätigungselement (Handbremsspindel, Druckzylinder, Vakuumzylinder, Fußrastenhebel) benötigt bei der Ankopplung an die Bremsanlage einen Gabelkopf mit Langloch. Die Länge des Langlochs entspricht dem maximalen Hebelweg an der Anlenkung des Gabelkopfes bei abgefahrenen Bremsbelägen. So ist sichergestellt dass ein Betätigungselement die Bremse für sich bewegen kann ohne dass ein weiteres Betätigungselement mitgewegt wird, die Hebel bewegen sich in den Langlöchern. Aber jedes Betätigungselement kann zusätzlich auf die Bremsanlage einwirken. Ist also ein mechanisches Oder.

    Volker

  • Hallo Werner,

    vorab bekam ich nach Angabe der Teile- Gewichte (auch das Urmodell war aus MS) ein Angebot.

    Das waren (9.2021) für den Formenbau 45,- EUR und je Abguss (30 Stück) 12,- EUR + 8,- EUR Versand, zuzügl. MWSt.

    Wie oben angegeben bei Loss-Feinguss, Pforzheim. Ein anderer, damals angefragter Anbieter war deutlich teurer.

    Nachtrag zum Bild oben: das waren Bremsbacken für Loren-Bremsen 1:5. Die wesentlich komplizierteren Bremsbacken für den SSk Köln (Bilder she. dort -Mein neuer Bedienwagen) waren mir zu aufwendig für eine Serienfertigung.

    Viele Grüße, Winfried

    N.S.: Die Detailbilder zur Bremse fehlen dort noch, muss ichmal noch einstellen...

    Ich fahre auf Spur 7 (Regelspur) oder auf Spur 5 mit der Feld- und Waldbahn

  • Hallo Werner

    Meine Bremsklötze sind aus Messing an einem Stück. Sie haben keine Schräge sondern nur an der Innenseite einen Radius. Sie bremsen hervorragend und nutzen sich nur minimal ab.

    Gruss Dani

    Feldbahnmässiger Regelspurbetrieb mit elektrischen Dieseldampflokomotiven

  • Grüße Peter Geyer GMB-Modellbau

    Die bestellten Achsen sind heute angekommen, Peter! Vielen Dank für die schönen Teile und die gute Verpackung.


    Und natürlich habe ich sie nun auch gleich eingebaut...

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    ... und nun sieht der Wagen gleich ganz anders aus.

    Von dem Anspruch der Vorbild- und Maßstabstreue beginne ich mich allerdings zu lösen. Die Scheibenräder entsprechen natürlich nicht den Speichenrädern des gewählten Vorbilds und auch die Bremsanlage ist konstruktiv eher einer späteren Epoche zuzuordnen. Das macht mir inzwischen aber gar nichts mehr aus weil ich gelernt habe, dass ohnehin jeder in eigenem Maßstab baut und die Originaltreue sich der Funktion unterordnen muss. Auch für mich wird es eher darum gehen, meinen ersten Wagen zum Fahren zu bringen.

    Es ist nun der unerwartete Effekt aufgetreten, dass sich die Leder-Beläge geradezu an den Radlaufflächen "festbeißen" und sich kaum noch sauber lösen. Auch die Kunststoffklötze zeigen nun plötzlich eine bessere Wirkung. Die noch glatte Oberfläche der Räder hat offensichtlich einen erheblich besseren Grip als die abgenutzte Oberfläche der aufbereiteten Schrott-Räder.

    Das Thema Bremse ist also noch lange nicht gegessen.

    Viele Grüße
    Werner

  • Guten Abend liebe Forenmitglieder,

    leider hatte ich in der vergangenen Woche geschäftlich viel zu tun und bin erst am Wochenende ein wenig weiter gekommen. Einen deutlichen Fortschritt konnte ich aber bei der Bremsanlage erzielen. Heute fange ich mal nicht beim Konzept sondern beim Ergebnis meiner Bautätigkeit an:

    Bremszylinder:

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    Meinen Wagen habe ich mit einem funktionsfähigen Bremszylinder ausgerüstet und die Bremsgestänge entsprechend der Westinghouse-Bauart angeschlossen. Allerdings – und hier sind wir wieder bei alternativen Bautechniken – ist es kein Druckluft-Bremszylinder, sondern die Funktion wird elektrisch simuliert.

    Was soll den das bedeuten?

    Nun, funktionelles Element ist ein N20 Getriebemotor, auf unten stehendem Bild in der Mitte erkennbar, der über eine Kastenmutter eine Schubstange ansteuert. Leider habe ich die Schubstange auf dem Bild der Einzelteile nicht dazugelegt.

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    Der Motor wird in das dreiteilige Gehäuse eingebaut. Das Frontteil führt die Kastenmutter und die Schubstange, das Mittelteil ist die Verdrehsicherung für den Motor, der nur eingeschoben wird, das Rückteil trägt das Widerlager des rückseitigen Hebels.

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    Das Gehäuse hat außerdem eine zusätzliche wichtige Funktion – es soll den Eindruck eines Bremszylinders erwecken.

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    Man könnte das Gehäuse natürlich auch auch weniger Teilen anfertigen aber die Konstruktion ist darauf optimiert, ohne Support beim FDM-Druck auszukommen. Auch wären die vielen M2 Schrauben und Muttern am Umfang eigentlich nicht notwendig, dienen aber der Optik.

    Die Handbremse wird im Gegensatz zur vorherigen Ansteuerung nun nach Bauart Westinghouse angeschlossen, also über eine Zugstange mit Gleitbahn direkt an der Anlenkung des Bremszylinders. Da die Zugstange zur Zeit noch nicht angeschlossen ist, muss ich hier nun doch das CAD bemühen. Die Zugstange der Handbremse seht ihr von links kommend neben der Schubstange des Bremszylinders.

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    Die in meinem vorherigen Beitrag beschriebenen Probleme um die Handbremsbetätigung sind damit vom Tisch. Die Hebelkraft des Bremsgestänges wird jeweils über kurze Anlenkungen aufgenommen – da verbiegt sich nichts mehr.

    Konzeptionell habe ich alle Hebel und Anlenkungen darauf ausgelegt, dass ich den beschriebenen elektrischen Bremszylinder einsetzen kann oder alternativ einen echten Druckluftzylinder. Zwar kommt Druckluft für mich erst zu einem viel späteren Zeitpunkt in Frage aber ich will mir alle Optionen offen halten.


    Kudos

    Bevor ich die Funktion detaillierter beschreibe, muss ich an dieser Stelle auch erwähnen, dass mich ein Beitrag von Adreas (Livesteamer) mit der Ansteuerung einer Bremse über einen Linearmotor zur Erstellung meines Konzeptes inspiriert hat.

    Livesteamer
    19. August 2024 um 17:40


    Zurück aber zu meinem Plan. Rein funktionell habe ich die Bremsanlage bereits erfolgreich testen können. Bisher einfach nur an ein paar Batterien angeschlossen, reagiert die Bremse durch das große Übersetzungsverhältnis des Getriebemotors äußerst feinfühlig . Die Abtriebswelle dreht mit 60 min-1, der Stellweg an der Schubstange zwischen lose bis zu voll angelegter Bremse beträgt etwa 10-12 mm. Durch die Steigung des M4 x 0,7 Gewindes der Welle beträgt die effektive Stellzeit dadurch rund 15-18 Sekunden.

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    Die Bremskraft wird durch die Konstruktion der Gestänge gleichmäßig auf alle Bremsklötze übertragen. Als interessanter Nebeneffekt zeigt sich dabei, dass die mit Lederbelägen gebremste Achse trotz gleicher Bremskraft bereits deutlich vor der Achse, die mit Kunststoffbremsklötzen gebremst wird, blockiert. Den Vergleich mit anderen Materialien habe ich (noch) nicht und im Moment ist daher Leder mein Favorit.

    Wie erwähnt ist die Zugstange der Handbremse hier noch nicht montiert und auch die Rückzugsfeder für das Bremsgestänge fehlt noch.


    Wie soll die elektrische Brems nun im Zugverband funktionieren?

    Grundsätzlich wird die Funktion durchaus der einer Druckluftbremse ähneln.

    • Jeder Wagen erhält einen Getriebemotor – das entspricht dem pneumatischen Bremszylinder.
    • Außerdem hat jeder Wagen einen eigenen Akkublock – das entspricht dem Druckluftbehälter.
    • Durch den Zug verläuft eine zweiadrige Steuerleitung – das entspricht der Hauptbremsleitung.
    • In jedem Wagen ist eine Prozessor-Platine installiert, die an die Steuerleitung angeschlossen ist – sie entspricht dem Steuerventil.
    • In der Lok werde ich an die dort verbaute RC-Steuerung einen kleinen Leistungssteller anschließen, über den die Steuerleitung mit einem Pegel von 0..5 V beaufschlagt werden kann – er entspricht dem Führerbremsventil. Die Spannung von 5 V entspricht dabei einer gelösten Bremse.

    In jedem Wagen wertet die Prozessor-Platine das Signal auf der Steuerleitung aus. Das klingt nun sehr hochtrabend aber das wird nur ein Prozessor aus der PIC10 oder PIC 12 Familie. Man könnte die Funktion natürlich auch in Analogtechnik lösen aber ein 6- oder 8-Pin-Prozessor mit einfacher Firmware ist günstiger und universeller als fest verdrahtete Logik oder OPs.

    Bei 0 V wird die Bremse angelegt, bei 5 V wird sie gelöst. Durch die lange Stellzeit der Getriebemotoren ähnelt das Verhalten dem eines realen Zugs.
    Durch die gewählten Pegel ergibt sich auch das gewünschte Sicherheits-Level: Reißt die Verbindung zur Lok ab, fehlt die Spannung und das Steuersignal wird daher als „Bremsen“ interpretiert.

    Da ich wegen der Kosten, hauptsächlich aber wegen dem Ausfallrisiko und der problematischen Einstellung, keine Endschalter im Bremszylinder verbauen will, benötige ich ein Kriterium zum Abschalten des Getriebemotors. Durch die große Übersetzungen braucht der N20-Motor (gemessen) nur rund 15 mA bei 5 V, Läuft er gegen den Endanschlag der Kastenmutter oder sind die Bremsen maximal angelegt, steigt sein Blockierstrom auf etwa 30-35 mA. Dieses Verhältnis von 1:2 lässt sich recht gut auswerten. Wenn also nach dem Status „Bremsen“ (0 V) oder „Lösen (5 V) auf der Steuerleitung der Motor mehr als, sagen wir, 25 mA zieht, soll die Prozessorplatine den Motor abschalten. Erst ein Steuerbefehl in der anderen Richtung aktiviert dann wieder den Motor. Hier wird sich der Vorteil eines kleinen Prozessors zeigen, in analoger Technik wäre das nur sehr aufwändig zu implementieren.

    Die erste Ausführung der Prozessor-Platine werde ich vermutlich als Proof-of-Concept auf Basis eines Ardunino oder Raspberry PI implementieren. So schön das oben gesagte auch klingt – so lange ich keine Lok habe, muss mir ein einfacher Umschalter mit Momentfunktion oder ein RC-Schalter reichen.

    Für den Akku, der in jedem Wagen notwendig ist, soll eine 18650 Lithium-Ionen-Zelle in einem Gehäuse eingebaut werden, das einem Druckluftbehälter ähnelt. Ein Buck'n'Boost-Regler mit Ladefunktion für 1S (China-Ware) macht dann aus der Zellenspannung 5 V für die Prozessor-Platine. Geladen wird die Zelle über die Steuerleitung, die im Betrieb bei gelöster Bremse ja 5 V haben wird. Im Prinzip werden meine RC-gesteuerten Spur 2m-Akku-Loks so betrieben.


    Echt jetzt?
    Warum muss es unbedingt eine elektrische Bremse sein?
    Das ist doch alles viel zu kompliziert!

    Ich bin nicht auf eine elektrische Bremse festgelegt! Ich konnte in Karlsruhe einen Begleitwagen mit einem eingebauten Kompressor, der die Druckluft-Bremsanlage des Zugs versorgte, bewundern und war fasziniert davon. Die Ansteuerung des Bremszylinders ist für die Mechanik meiner Bremse ist bei mir deshalb völlig transparent. Vielleicht ist euch auch die völlig unnötige Größe des Gehäuses für den winzigen Getriebemotor aufgefallen. Das dient nicht nur der Optik, sondern bietet mir potentiell die Möglichkeit, innerhalb des gleichen Bauraums auch einen echten, pneumatisch betriebenen Bremszylinder einzusetzen. Eine Druckluftbremse könnte ich also unter Beibehaltung des Konzepts genauso gut einbauen.

    Ich hatte mir überlegt, einen eigenen Thread für die Bremsanlage aufzumachen, war dann aber im Zweifel, ob meine Ausführungen überhaupt von Interesse für die Mitglieder des F´orums sind. Ich bin begeistern bin von den Möglichkeiten, die mir die größeren Maßstäbe bieten und ihr habt sicher schon festgestellt, dass ich in vielen Bereichen fröhlich vor mich hin experimentiere. Wenn jemand aus meinen alternativen Herangehensweisen auch nur die kleinste Anregung für eigene Projekte mitnimmt, hat mein Thread bereits einen Sinn.

    Ich bitte euch, meine Versuche und Konzepte weiterhin mit euren Vorschlägen und Kommentaren zu unterstützen.

    Viele Grüße
    Werner

    Einmal editiert, zuletzt von Monnemer (8. September 2024 um 14:11)

  • Moinsen Werner,

    mit N20 und RB35 Motoren arbeite ich auch sehr oft und sehr gerne, allerdings im RC Bereich,

    und als Antrieb bei der Baugröße HO (1:87).

    Die N20 Motoren sind zum Bremsen bei der "draußen Spiel Bahn auch mal im Regen" nicht geeignet. Diese werden unter den Umständen, unter denen sie bespielt werden, schnell unbrauchbar.

    Anstelle der N20 Motoren empfehle ich dir, Servos aus dem Modell LKW Bereich im Maßstab 1:8 zu verbauen.

    Diese gibt es mit bis zu 60kg Stellkraft und mehr. Diese sind sehr robust, und du kannst sie ebenfalls

    elektronisch ansteuern.

    Ein solches Servo wartet bei meiner E69 auf Einbau für die Bremse.

    Grüße vom Bucki

  • Die N20 Motoren sind zum Bremsen bei der "draußen Spiel Bahn auch mal im Regen" nicht geeignet.

    Guten Morgen Bucki,

    Servos sind darauf ausgelegt, immer eine bestimmte Position einzunehmen und zu halten. Ohne Stromversorgung fehlt dann die Stellkraft. Das passt aber nicht zu meiner Auslegung der Bremse. Wenn bei mir die Bremse angezogen ist, bleibt das auch bei leeren Batterien und ohne Spannung auf der Steuerleitung so.

    Ich gebe dir durchaus recht, ohne zusätzlichen Schutz sind die N20 Motoren natürlich nicht wetterfest. In meinem Bremszylinder ist der Motor allerdings nahezu vollständig gekapselt, die Kabeldurchführung wird noch mit Heißkleber verschlossen und im Frontteil ist eine Nut für einen O-Ring vorgesehen, der das Ganze nach vorne abdichtet. Damit sollte ich IP 54 erreichen oder übertreffen.
    Als Alternative hatte ich mir gekapselte Linearmotoren angeschaut, die aber von der Größe her nicht zu meinem Wagen passen und von der Stellkraft her völlig überdimensioniert gewesen wären.

    Viele Grüße
    Werner

  • Moin Werner!
    Sehe ich das richtig, daß Du mit deiner Motorbremse direkt auf das Bremsgestänge wirkst?
    Wenn die Bremse angelegt ist, abeitest Du praktisch gegen einen Festpunkt. Daher betreibe ich meine elektromechanische Bremsen über eine Feder, mit Der ich erst die Bremse anlege und mit Spannung der Feder die Bremskraft steigere, ähnlich wie mit Druckluft. Die Belastung von Servo oder Linearmotor ist somit begrenzt. Siehe auch elektr. Servobremse mit Bremsbelägen für V20.
    Gruß Gerd

    .

    V20, pr. AT1, würt. Kittel DTW, (Ur-) galloping Goose

  • Daher betreibe ich meine elektromechanische Bremsen über eine Feder, mit Der ich erst die Bremse anlege und mit Spannung der Feder die Bremskraft steigere

    Ein sehr guter Vorschlag, Gerd!

    Ich kann das sogar ohne Änderung der Konstruktion realisieren, indem ich eine Feder zwischen Kastenmutter und Schubstange setze und die Schubstange ein wenig kürze. Tatsächlich hatte ich an diese einfache Lösung garnicht gedacht. Vielen Dank für deinen Hinweis.

    Viele Grüße
    Werner

  • Hallo Andreas,

    vielen Dank, für die Auflösung, die Kudos habe ich entsprechend angepasst. Deinen Beitrag hatte ich wegen der gedruckten Teile mit großem Interesse gelesen, konnte mich aber nicht mehr an den Linearmotor erinnern. Die Ausführung deiner Drucke und deine Endbearbeitung haben mich übrigens sehr beeindruckt.

    Der Antrieb hat den Vorteil, dass Endkontakte verbaut sind, sodass ich mir für die Endabschaltung keine Gedanken machen muss. Bezugsquelle z.B. hier: https://www.amazon.de/gp/product/B09…le?ie=UTF8&th=1

    Den von dir verwendeten Linearantrieb hatte ich tatsächlich im Blick. Allerdings kostet das Teil fünfmal so viel wie mein N20. Andererseits könnte ich mir natürlich den Aufwand mit dem Stromsensor sparen aber der ist eigentlich genau dazu da, immer einen über die Bremskraft (den Blockierstrom) definierten Abschaltpunkt zu haben. Verzichte ich darauf und lege die Mechanik auf Endschalter aus, verringert sich die Apresskraft bei einer Abnutzung der Bremsbeläge. Möglicherweise ist der Effekt gar nicht so groß, das muss sich zeigen. Die nun auf Gerds Vorschlag hin eingesetzte Feder gleicht das übrigens nicht aus, da bei einer festen Endposition bei abgenutzen Bremsbelägen die dann weniger komprimierte Feder natürlich auch eine geringere Bremskraft bewirkt.

    Außerdem gibt es einen mechanischen Punkt: Bei mir ist die Schubstange des Bremszylinders frei beweglich und kann beim Anlegen der mechanischen Handbremse, die auf den gleichen Hebel wirkt, diesem Hebel frei folgen. Dadurch entsprechen meine Zugstangen denen einer Westinghouse-Bremse. Bei den fertigen Linearmotoren ist die Schubstange in der angefahrenen Position fixiert und ich müsste konstruktiv etwas ändern.

    Ttrotzdem Danke für deinen Hinweis. Ich werde mir das nochmal überlegen wenn ich die Schaltung der Steuerung entwerfe.

    Viele Grüße
    Werner